Bericht: Alltags-Rassismus in Pankow – von Wir sind Pankow und Moskito im November

Die Moderatorin begrüßte die Teilnehmerinnen, stellte die Veranstalter vor, wies in die Verfahrensweise eines Dialogs ein und stellte das Thema des Abends vor: Wo begegnen den Teilnehmerinnen Diskriminierungen, wo Unsicherheiten, wie ist mit solchen Diskriminierungen umzugehen?

Doch bevor wir in einen Austausch über unsere persönlichen Erfahrungen und Meinungen zu diesen Themen gingen, wurde kurz das ´Pankower Register`vorgestellt.Dieses Register existiert seit 2005, es nimmt rechtsextreme, rassistische, antisemitische, homophobe und andere menschenverachtende Propaganda, Bedrohungen, Beleidigungen, Gewalttaten und Veranstaltungen auf. Dazu sind über den Bezirk verteilt Anlaufstellen eingerichtet, an die mensch sich wenden kann. Ziele des Registers sind die Sensibilisierung für Diskriminierungen und Aufklärung über die im Bezirk ent- und bestehenden Angsträume. Für die Zahlen des 1. Halbjahres 2009 lässt sich zwar ein positiver Trend von weniger rechtsextremen Übergriffen auf ´politische Gegner/innen` feststellen, aber durchaus keine Entwarnung geben. Es gibt eine gut vernetzte gewaltbereite rechtsradikale Szene im Bezirk und es gab eine Zunahme rassistischer Vorfälle. Die Referentin verwies auch noch mal auf die hohen Dunkelziffern in diesem Bereich. Mehr über das Register gibt es unter www.pankower-register.de zu lesen.

Nach diesem Einstieg wurde der Dialog eröffnet mit der Frage: Wo begegne ich in meinem persönlichen Alltag/meiner Lebenswelt Alltagsrassismus? Jede der Teilnehmerinnen wusste persönliche Erlebnisse zu erzählen: Beobachtete Fahrkartenkontrollen in öffentlichen Verkehrsmitteln, bei denen Menschen mit Migrationshintergrund diskriminierend behandelt wurden; mit Hakenkreuzen beschmierte Wahlplakate; diskriminierende Äußerungen im Zusammenhang mit dem Bau einer Moschee im Pankower Ortsteil Heinersdorf oder auch rassistische Äußerungen im Familienkreis….Die Liste ließe sich fortsetzen. Es wurde diskutiert, wie Menschen zu rechten Anschauungen kommen? Dabei war vor allem von Interesse, ob Erklärungen, die auf ein niedriges Bildungsniveau oder Menschen in sozialen Randlagen verweisen das Phänomen umfassend erklären können. Angehörige oder Freunde im rechten Spektrum oder die Sehnsucht nach einem ´Kameradschaftsgefühl` könnten auch zu rechter Gesinnung beitragen. Und es komme darauf an, wie Geschichte und Gegenwart interpretiert und welche Lehren daraus gezogen werden. Wir diskutierten anschließend darüber, welche Strategien gegen Diskriminierungen wir kennen und nutzen: Auf Pöbeleien nicht eingehen und höflich zu bleiben oder anders reagieren, als das Gegenüber es erwartet, z.B. einfach mal laut Schreien. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, in welchem Umfeld/welcher Umgebung mensch sich befindet. Lassen sich Menschen überreden einzugreifen oder zu helfen oder begibt mensch sich womöglich selber in Gefahr.

Botschaften:

1. “Rassismen” gibt es auch in mir. – Notwendig ist eine Auseinandersetzung mit den eigenen (rassistischen)Bildern.

2. Rassismus ist nah an mir dran. – Notwendig ist ein Ins-Gespräch-Kommen mit Freunden, Bekannten, Verwandten, Nachbarn über Bilder, Geschichtsschreibung, Scheinbar Selbstverständliches…

3. (Alltags-)Rassismus ist alltäglich…in den öffentlichen Verkehrsmitteln, in Einkaufscentern, in Supermärkten. – Notwendig sind Aufmerksamkeit, mehr Sensibilität und ein Nicht-Wegschauen

1 comment to Bericht: Alltags-Rassismus in Pankow – von Wir sind Pankow und Moskito im November

  • Ich verfolge deinen Blog nun doch schon eine ganze Zeit aber irgendwie hab ich nie einen Kommentar zu deinen Artikeln geschrieben. Wollte jetzt aber endlich mal ein Lob aussprechen, sind richtig schoene Artikel welche du hier jedes mal schreibst. Ich hoffe es kommen noch viele weitere so gute Artikel.

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