Rund 350 Menschen haben gestern, am 3. Oktober an der Demonstration „Für ein offenes Europa für alle –gegen antimuslimischen Rassismus“ teilgenommen. Aufgerufen hatte zu der Demo ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Vereinen, Künstlern, Kirchen und Parteiverbände – darunter auch die Initiative “Wir sind Pankow – tolerant und weltoffen”. Die Demonstration richtete sich gegen die islamfeindliche Kundgebung der „Bürgerbewegung Pax Europa“, die auf dem Breitscheidplatz stattfand.
Um 12.oo begannen die Aktivitäten gegen die islamfeindliche Organisation Pax Europa mit einem Friedensgebet in der Gedächtniskirche. Etwa 150 Menschen nahmen daran teil und lauschten Vertretern und Vertreterinnen verschiedener Religionen: darunter Aiman Mazyek (Zentralrat der Muslime in Deutschland), Pater Alois Schmid (Erzbistum Berlin) sowie Vertreter der Bahai- und der Ahmadiyya-Gemeinde. Carsten Bolz, Superintendent vom Evangelischen Kirchenkreis Charlottenburg, wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass gerade die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis Kirche, die mit ihrem Turm an die Folgen der Naziherrschaft erinnert, „kein geeignetes Symbol sei, um vor ihr für Ausgrenzung zu demonstrieren.“ Jüdische Vertreter konnten aufgrund eines hohen jüdischen Feiertages nicht teilnehmen, richteten aber ihre Unterstützung aus.
Während des Demonstrationszuges betonten die Teilnehmer das gemeinsame Anliegen, gegen rassistische Hetze vorzugehen: „Muslime, Christen, Atheisten – gemeinsam gegen die Rassisten.“ Sie gedachten auch der im Juni aus islamfeindlichen Motiven ermordeten Ägypterin mit dem Sprechchor: „Wir sind alle Marwa El-Sherbini“.
Die Gegendemonstration war schon im Vorfeld erfolgreich, da sich Pax Europa gezwungen sah, aufgrund des angekündigten Protests ihren Aufruf zu ändern und statt von einer Kundgebung gegen den jährlich am 3. Oktober stattfindenden Tag der offenen Moschee und die angebliche „Islamisierung Deutschlands“ zu einer Kundgebung „für Menschenrechte“ aufzurufen. Diese strategische Rhetorik entlarvte in der Abschlusskundgebung u.a. Omid Nouripour (MDB, Bündnis 90/Die Grünen): „Wer wirklich für Menschenrechte und Religionsfreiheit eintritt, polemisiert nicht zugleich gegen Moscheen.“ Iris Hefets („Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden“) wandte sich gegen die Instrumentalisierung der israelischen Flaggen, die von Pax Europa-Anhängern geschwenkt wurden, um den Vorwurf des Rechtsextremismus zu vermeiden. Weiterhin sprachen u.a. Barbara John (ehemalige Integrationsbeauftragte Berlin), Ralf Meister (Generalsuperintendent der Evangelischen Kirche Berlin) und Christine Buchholz (MdB, DIE LINKE), die Islamfeindlichkeit als den „neuen Rassismus des 21. Jahrhunderts“ bezeichnete. Ein Vertreter der GEW machte deutlich, dass die Trennlinie innerhalb der Gesellschaft „nicht zwischen Muslimen und Nichtmuslimen, sondern zwischen oben und unten“ verlaufe. Ein abwechslungsreiches Programm mit türkischer, persischer und deutscher Musik schloss die Kundgebung ab, mit der ein deutliches Zeichen gegen antimuslimische Hetze und für ein gleichberechtigtes Zusammenleben aller Menschen unabhängig von Kultur, Religion oder Herkunft in Europa gesetzt wurde.
Rede vom Zentralrat der Muslime


Es ist eine Frechheit der_des Autors_Autorin zu behaupten, “Jüdische Vertreter konnten aufgrund eines hohen jüdischen Feiertages nicht teilnehmen, richteten aber ihre Unterstützung aus.”
Vielmehr ist die Beteiligung islamistischer Gruppen an dem “breiten Bündnis” mit großer Wahrscheinlichkeit verantwortlich für das Fernbleiben “jüdischer Vertreter” gewesen. Wer mit MiliGörüs, dem palästinensichen Studentenvereinen, Inssan u.a. gemeinsam demonstriert, muss sich auch in Zukunft auf eine solch isolierte und von vielen Politiker_innen und NGOs negativ wahrgenommene Aktion wie am vergangegen Samstag einstellen.
Ich selber war auch bei der Demo am Breitscheidplatz und war verwundert darüber, dass niemand von der Jüdischen Gemeinde sprach. Ich fragte dann bei den Organisatoren nach, die mir ebenfalls berichteten, dass die angefragten Rabbinerinnen und Rabbiner abgesagt hätten. Es war aber die Jüdische Stimme da! Auch sonst kam mir das Demo-Bündnis sehr gemischt vor, nicht vereinnahmt oder instrumentalisiert.
Auch hier möchte ich mich als admin einbringen, als Verfasserin der Blog-Artikel der Demo-Berichterstattung:
Es waren Leute von der “Jüdischen Stimme” bei der Kundgebung, die auch gesprochen haben. Auch dazu habe ich berichtet. Allerdings fehlten VertreterInnen der Jüdischen Gemeinde ganz klar bei der Veranstaltung in der Gedächtniskirche, darauf wurde zugleich hingewiesen und eine Botschaft der Jüdischen Gemeinde ausgerichtet, dass sie die Veranstaltung unterstützen würden.
Wir selber waren als Moskito bei einem der Vorbereitungstreffen und haben eingebracht nochmal deutlicher bei der Jüdischen Gemeinde nachzufragen, das ist passiert und wurde auch in dem Bündnis nicht in Frage gestellt. Wir finden ebenfalls Milli Görüs politisch total abzulehnen, hatten aber keine Kraft in die Vorbereitungen so zu intervenieren, dass diese Organisation draußen geblieben wäre. Ich selber finde es problematisch einfach den Rückzug zu machen, so wie es einige Gruppen gemacht haben, weil sie mit einer Organisation wie Milli Görüs nix am Hut haben wollen, was ich voll trage, aber keine politische Debatte darum geführt wird. Wir waren als Moskito nicht beim ersten Treffen und wussten, obwohl wir zu den Aufrufenden gehörten, nicht die Gründe, warum Evrim Baba nicht mehr die Demo anmeldet. Da hätte ein bisschen Transparenz nicht geschadet, sondern wäre hilfreich für eine politische Debatte und eine Intervention gegen Milli Görüs gewesen. Auf ein Neues bei einem kommenden Anlass?
[...] Demonstration „Für ein offenes Europa für alle” setzt klares Zeichen gegen Rassismus pankow-normal-anders – PeopleRank: 2 – 04.10.2009 … Omid Nouripour (MDB, Bündnis 90/Die Grünen): „Wer wirklich für Menschenrechte und Religionsfreiheit eintritt, polemisiert nicht zugleich gegen Moscheen.“ Iris Hefets („Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden“) wandte sich gegen die … Namen genannt : Barbara John Aiman Mazyek Christine Buchholz + voten [...]